Geschichte der Rettungshunde
   

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Geschichte der Rettungshunde


 
Die Geschichte der Rettungshunde

Speziell ausgebildete Rettungshunde sind heute fast eine Selbstverständlichkeit. Sie suchen vermisste Personen in unwegsamem Gelände und im Wald, sie suchen nach verschütteten Menschen in Trümmern oder in Schneelawinen.

Es waren die Mönche im Kloster und Hospiz St. Bernhard, die mit eigens gezüchteten Hunden – Vorfahren der heutigen „Bernhardiner“ - die ersten Schritte in Richtung Rettungshundearbeit machten.

Die Mönche berichteten in ihren Handschriften von ihren Hunden, die verirrte und vom Schnee verschüttete Menschen fanden und ins Kloster führten. Einer der berühmtesten Hunde aus dieser Zeit ist „Barry“, der zwischen 1800 und 1812 vierzig Menschen vor dem sicheren Tod rettete.

Die Bernhardiner bildeten allerdings zunächst eine Ausnahme. Erst der Krieg gab einen Anstoß für die weitere Entwicklung. Ab 1885 machte man sich in der deutschen Armee Gedanken über den Einsatz von Hunden, zunächst als Melder oder zum Transport von Munition.

Der Tiermaler Jean Bungartz begann zusätzlich mit der Ausbildung von Hunden im Sanitätsdienst, die beim Aufspüren verwundeter Soldaten helfen sollten. Dazu gründete er 1890 den Deutschen Verein für Sanitätshunde, der auf freiwilliger Basis die Verantwortung für die Ausbildung der Sanitätshunde übernahm. Die Kosten für Unterhalt und Ausbildung der Hunde wurden von der Armee getragen und von dem Engagement von Privatleuten unterstützt.

Trotzdem erfuhr das Hundewesen vor dem Ersten Weltkrieg keine wesentliche Förderung. Es gab keine einheitlichen Ausbildungsrichtlinien und die Kriegshunde wurden nach einer Verfügung des Kriegsministeriums 1911 wieder abgeschafft.

Erst der Ausbruch des Ersten Weltkrieges brachte für das Sanitätshundewesen einen großen Aufschwung. Die Anzahl der Hunde, die Bungartz bei Kriegsbeginn zur Verfügung stellen konnte, erhöhte sich im Laufe des Krieges von knapp einem Dutzend auf 4000 Tiere, die von Privatleuten und Züchtern auf freiwilliger Basis zur Verfügung gestellt und über eine zentrale Meldestelle vermittelt wurden. Auffallend hoch war der Prozentsatz von Airedale Terriern, neben vielen Jagdhunderassen, Collies, Schäferhunden und Mischlingen.

Im Mai 1915 wurde das Sanitätshunde-Ersatzdepot "Fangschleuse" bei Berlin errichtet. Dessen erster Leiter wurde Paul Böttger, ein Mitarbeiter von Konrad Most. Ein Jahr später wurden zwei weitere Depots eröffnet.

Mehr als 30 000 Hunde dienten im Ersten Weltkrieg an der deutschen Front als Wächter, Melder oder Sanitätshunde, unzählige Soldaten verdankten den Hunden ihr Leben. Weniger als 10 % der Hunde konnten nach Kriegsende ihren früheren Eigentümern zurückgegeben werden.

Die harte Kriegspraxis hatte einen großen Fortschritt in der Entwicklung neuer Ausbildungsmethoden bewirkt und vor allem das Interesse an einer Weiterführung der Sanitätshundearbeit auch bei öffentlichen Stellen geweckt. In den Jahren nach den Kriegen nahm das gesamte Hundewesen in Deutschland einen erstaunlichen Aufschwung, wurde aber überwiegend von privaten Initiativen getragen. Noch immer war die Ausbildung und Verwendung von Sanitätshunden für militärische Zwecke vorgesehen.

Es war die Schweiz, die 1940 einen Schritt in Richtung zivilem Rettungshundewesen unternahm. Ferdinand Schmutz begann mit der systematischen Ausbildung von Lawinensuchhunden und beschrieb diese in dem 1954 veröffentlichen Buch „Mein Hund“.

Der Zweite Weltkrieg begann und der Bedarf an Hunden stieg wieder an. Geeignete Tiere wurden von der deutschen Wehrmacht gegen Bezahlung kurzerhand enteignet. An allen Fronten (jetzt nicht mehr nur auf der deutschen Seite) waren ungefähr 200 000 Hunde, meist Schäferhunde, im Einsatz.

Allein auf der deutschen Seite verstarben 25 000 Hunde.

Es gab nun den Sanitätshund, heute auch Flächensuchhund genannt. Er suchte das Gelände in schneller Revierarbeit nach verwundeten Soldaten ab. Und es gab den Lawinensuchhund, der im Schnee arbeitete.

In den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges fingen die Engländer an, die Hunde auch in Trümmern zerbombter Häuser einzusetzen. Es fing mit einem Zufall an: Eine ältere Dame beobachtete, dass ihr Hündchen (Rasse unbekannt) in den Häusertrümmern verschüttete Menschen aufspürte. Dieser kleine Hund wurde somit der erste „Trümmer- bzw. Katastrophenhund“. Von Oktober 1944 bis zum Kriegsende setzte man mehrere, dem heutigen Wissen nach nicht speziell ausgebildete Hunde, für die Trümmersuche ein. Besonders erfolgreich waren die 3 Schäferhunde „Psyche“, „Rex“ und „Irma“ sowie der Foxterrier „Beauty“ – sie halfen 170 Menschen tot und 35 lebend zu bergen. Sie erhielten die „Dikkin-Medaille des Viktoriakreuzes für Tiere“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitete sich die Idee des Trümmerhundes auch außerhalb Englands und man machte sich Gedanken über die planmäßige und systematische Ausbildung solcher Hunde. In der Bundesrepublik Deutschland übernahm zunächst der Bundesluftschutzverband (BLSV) in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der Zuchtvereine und Gebrauchshundeverbände (AZG) die Ausbildung von Rettungshunden. Es war vorgesehen, jedem Selbstschutzzug einen Rettungshund zuzuordnen. Als 1968 der BLSV in Bundesverband für den Selbstschutz (BVS) umbenannt und umstrukturiert wurde, bedeutete dies das Ende für die Selbstschutzzüge und damit vorläufig auch für die Rettungshunde.

Wiederum in der Schweiz begann man jedoch ab 1968 die Arbeit mit Katastrophenhunden. 1972 wurde vom Schweizerischen Verein für Katastrophenhunde eine Ausbildungsanleitung herausgegeben. Nach und nach entwickelte sich auch in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für Rettungshunde und man erkannte, dass gut ausgebildete Hunde und Führer ein wertvolles Hilfsmittel bei der Ortung vermisster und verschütteter Personen darstellen, auch in Friedenszeiten, beispielsweise bei Bränden, Flugzeugabstürzen, Zugunglücken oder Erdbeben. Insbesondere die erfolgreichen Rettungshundeeinsätze bei Erdbeben 1967 in Italien, 1977 in Rumänien und 1980 in Algerien verstärkten das Vertrauen in die Hunde.

Es herrschte bei den zuständigen Behörden in der Bundesrepublik Deutschland dennoch eine gewisse Technikgläubigkeit vor und man glaubte, mit teuren Ortungsgeräten wesentlich effektiver arbeiten zu können, als mit Hunden. Es waren wiederum Privatleute, die dann (oft als Fortsetzung ihrer Tätigkeit im BLSV/BVS) weiterhin Arbeit mit Rettungshunden betrieben. Die Verantwortung für den Katastrophenschutz lag bei den Ländern und es stand den diversen Rettungshundestaffeln, die sich mittlerweile selbstständig gegründet hatten, frei, sich einer Hilfsorganisation anzuschließen, beispielsweise Technisches Hilfswerk, Feuerwehr oder diversen Sanitätsorganisationen. Außerdem wurden private Vereine für die Rettungshundearbeit gegründet.

 
Quellen: Wikipedia & „Such und Hilf“ von Wegmann/Heines, Kynos-Verlag